Schloss Dornburg an der Elbe
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Zur Architektur der Dornburger Kirche
von Hans-Christoph Dittscheid

Dieser Beitrag erschien in der Festschrift zum 250. Kirchweihjubiläum in Dornburg, 2008

Die evangelische Kirche Dornburg entspricht dem typisch protestantischen Schema einer Saalkirche. Der massive, zur Straße ausgerichtete Turm mit dem eleganten Zwiebelhelm lässt den Sakralbau erkennen. Das geohrte Portal mit Stichbogen stellt eine weitere Zier der Kirche dar. Es erinnert an die Bauweise Friedrich Joachim Stengels, der das Dornburger Schloss entworfen und erbaut hat.

Auf ihn geht auch die Entscheidung zurück, auf eine Schlosskirche beim Neubau des Schlosses zu verzichten, und statt ihrer eine Kirche an der Gelenkstelle zwischen Dorf und Schloss zu errichten. Wenn aus den Dokumenten die Unschlüssigkeit der Ausrichtung deutlich wird, so besagt dies nur, dass eine Orientierung nach Osten an dieser evangelischen Kirche – im Unterschied zu einer katholischen – nicht erforderlich war. Um so mehr konnte sich die Frage der Ausrichtung auf städtebauliche Aspekte konzentrieren, und das ist in Dornburg auch der Fall gewesen.

Die Anordnung der einfachen Rechteckfenster am Kirchenschiff in zwei Geschossen lässt auf eine Empore im Innern schließen. Erstaunlicherweise sind dort sogar zwei Emporen übereinander anzutreffen. Überhaupt hat das Inventar mit Überraschungen aufzuwarten. Denn aus den Dokumenten erhellt, dass der Großteil der hölzernen Innenarchitektur wie untere Empore, verglaster Herrschaftsstuhl, Kanzel und Orgel aus dem ersten Barockschloss Johann Christoph Schützes stammen, und dem neuen Kirchenbau in den Maßen angepasst wurde. Damit hat die Dornburger Kirche den Charakter einer protestantischen Schlosskirche in ganz eigenartiger Weise bewahrt und man kann behaupten, dass die Kirche der letzte "überlebende" Funktionsraum des Schlosses – wenn auch an neuem Platz – geblieben ist. Die Adaption verlief nicht ohne Kompromisse. So wirkt der hinter einen Bogen gedrängte Orgelprospekt wie abgeschnürt, ästhetisch und akustisch ein Kompromiss, der vielleicht anlässlich der fälligen Restaurierung des wertvollen Instruments abgemildert werden kann. In ihrer Verknüpfung zwischen Schloss und Dorf bildet die Dornburger Kirche auf unverwechselbare Weise das lutherische Verständnis der mitten in das weltliche Regiment hereinragenden Kirche ab. Die fürstliche Stiftung findet in der Wetterfahne des Turms ihren Ausdruck. Dort vereinen sich in typisch barocker Weise die Initialen "JE" und "FA" – Johanna Elisabeth und ihr regierender Sohn Friedrich August, Mutter und Bruder der Zarin Katharina der Großen.

Schnitt durch die Mitte der dritten Fensterachse in Ostrichtung mit Blick auf die Fürstenloge
Erdgeschoss

1. Empore

2. Empore

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