Schloss Dornburg an der Elbe
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Vorgängerbauten Schloss Bauherrin Gärten Kirche Wirtschaftsgebäude

Die Wirtschaftsgebäude
von Stefan Schüler1
Eine Zählung im Jahre 1753 ergab in Dornburg: "1 Müller, 2 Schulzen, 17 Anspänner, 20 Cossäten, 26 Hausler und Tagelöhner aufm Lande, 27 Miets- und Auszugsleute, 2 Hirten, 17 Knechte und Dienst=Barliche, 80 Weiber, 174 Kinder, 18 Mägde".2 Der größtenteils sandige Boden an der Elbe musste nicht nur diese, sondern auch die fürstlichen Herrschaften ernähren, weshalb Wirtschaftsgebäude wohl ebenso wichtig wie das Schloss waren. Am 16.07.1718 beklagt sich der Dornburger Amtmann (?) Wolbeck (oder Holbeck) über die verschlammten Entwässerungsgräben und den schlechten Zustand des Schweinestalls beim Fürsten Johann Ludwig in Zerbst.3 Wie die Kammerrechnungen zeigen, war der Gesamtstaat Anhalt-Zerbst für alle Bauvorhaben im Amt Dornburg verantwortlich. Somit war der Hofbaumeister Schütze auch für die Wirtschaftsgebäude zuständig.

1728 wurde ein alter Kuhstall abgerissen.4, 5 Leider wissen wir nicht, ob er baufällig war oder nur deshalb weichen musste, weil er "den ganzen Prospect verdirbt und wenig genutzt wird", wie Schütze schreibt.6 Immerhin verlangte man noch im gleichen Jahr, "statt deßen ein anderes Gebäude zu Wagen=Schuppen, Ställen u. d. g. der großen Scheune gegenüber"7 zu errichten. Erst dadurch entsteht eine symmetrische Anlage, wie sie in ihren Grundzügen bis heute erhalten blieb. Dazu legte der Baumeister die Schlossauffahrt mit Allee und das Tor im Osten neu an.6 Die dem Schloss vorgelagerte Scheune im Süden bestand bereits. Leider sind keine Belege erhalten, die auf ihre Bauzeit schließen lassen. Da noch 1871 an ihrer Südseite ein angebautes Orangenhaus verzeichnet ist,8 könnte es sich um das Gebäude handeln, welches in der Beckmannschen Chronik genannt wird. Danach hat "Fürst Johann Ludwigs Hoch-Fürstl. Durchl. einen angenehmen Garten von Baum- auch Küchen- und Bluhm-Werck / ingleichen von Außländischen Gewächsen nebst einem Winter-Hause zu Bewahrung derselben anlegen lassen".9 Mit großer Wahrscheinlichkeit entstand die Scheune in der 2. Hälfte des 17. Jh. Nach einer Brandstiftung 1964 blieben nur die Umfassungsmauern erhalten. Danach wurden die Fensteröffnungen vermauert und das Dach nicht in der Originalform wiederhergestellt.

Bereits 1730 zeichnet Schütze einen Plan zu dem Stall, welcher gegenüber dem eben beschriebenen Gebäude errichtet werden soll. Anfangs gingen die Arbeiten nur schleppend voran, da zur gleichen Zeit am Schloss, am neuen Brauhaus und am Amtshaus gebaut wurde. Am 01.06.1731 berichtet der Dornburger Amtmann Martin Sitzenstock: "Wegen Mangels an Steinen haben die Maurer ihre Arbeit vom Hauptgebäude auf den Stall verlegt."
10 Dies erklärt wohl, warum Schütze seiner Zeichnung noch hinzufügte: "So hoch als die punktierte Linie bemerket ist die Mauer nach angefügtem Grundtriß rings herum in die Höhe aufgebauet 1730 und 1731".11 Erst ab 1733 können wir eine intensive Bautätigkeit am kombinierten Kuh- und Pferdestall in den Rechnungen der Zerbster Kammer beobachten. In diesem Jahr fertigte der Baumeister einen "Abriß des neuen Stalles zu Dornburgl.".12 Wie schon die Bezeichnung erkennen lässt, handelt es sich um einen zweiten Plan zum selben Gebäude wie vorher. Beide Male steigt das Gelände von rechts nach links leicht an. Länge, Breite und Höhe stimmen überein. Die Verteilung der Fenster ist sehr ähnlich. Der vollkommene Verzicht auf das "Kutsch- und Wagen Haußen" schafft mehr Platz für Kühe und Pferde. Die veränderte Dachform erklärt sich vielleicht dadurch, dass man schon damals an einen Anschluss zum Amtshaus dachte. Heute ist nicht mehr nachvollziehbar, wann diese Lücke geschlossen wurde, es geschah aber vor 1871.8 Dadurch besitzt das Gebäude jetzt am Westende ein Krüppelwalmdach und am Ostende ein Walmdach. Der zweite Plan kann sich nicht auf ein anderes Wirtschaftsgebäude bezeihen, da die Querbauten eine größere Raumtiefe haben und anders gegliedert sind. 1734 errichtet Hofzimmermeister Gleichner das Dach auf den neuen Stall nach den Rissen von Johann Christoph Schütze.13 Am 30.01.1735 wird ein Vertrag mit Hoftischlermeister Christian Öhlschläger und Gottfried Öhlschläger über Fensterrahmen und Türen nach Entwürfen des Baumeisters geschlossen.14 Danach folgten nur noch Schlosser- und Tischlerarbeiten,15 die sich bis 1736 hinzogen. Zu DDR-Zeiten, wohl in den 1960er Jahren, wurde das Gebäude von der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) vollkommen umgebaut, so dass heute nur noch die Dachform dem Original entspricht.

Das im Nordosten anschließende "Ambt Hauß mit darzu gehörige Stallung"16 wurde bereits 1726/27 errichtet, nachdem vorher den Tagelöhnern 9 Taler und 22 Groschen gezahlt worden waren, um "die alte Meÿereÿ abzubrechen wo diese Haus zustehn kommen soll".16 Am Ende des 19. Jh. entstand an dieser Stelle das Wohnhaus für den Besitzer des Ritterguts.

Zu Schützes ersten Aufgaben in Dornburg zählte das gegenüberliegende Brauhaus, das sich in Nord-Südrichtung erstreckt und dadurch den Gutshof nach Osten abgrenzt. Sein Westteil (etwa ein Drittel des heutigen Gebäudes) wurde bereits im Rechnungsjahr 1728/29 unter der Regie des Hofbaumeisters errichtet.
17 Am 01.12.1738 verfasst Fürst Christian August von Anhalt-Zerbst-Dornburg folgendes Schreiben an die Zerbster Kammer: "Alß beÿ dem Dorneburgischen Haußhalt es noch an eine bequeme und sichere Gelegenheit fehlet:
1. Zu Backen.
2. Zum Brandteweinbrennen.
3. Ein Gemach zur Molckereÿ.
4. Ein Platz wo der Faßbinder das Nutzholtz laßen und die Brau- und andere Gefäße binden kan.
5. Ein Holtz Schauer, wo man wenigstens 30. Klaffter trocken Holtz zum brennen halten kan.
6. Ein Wagen Schauer, wo die Pflug, Bau=Wagens, Geschirr unterzubringen.
Und ich zu dem Ende | auch zu dem Luft Maltz die Bodens zu vergrößern | und dazu das Brauhauß weiter zu entendiren,  ...".
18 Da das gewünschte Bauholz noch am 23.12.1738 genehmigt wurde, können wir davon ausgehen, dass die Pläne des Fürsten bald darauf umgesetzt wurden. Hierzu wurde das Brauhaus verlängert und sein Gegenüber im Süden aus- und umgebaut. Im Schütze-Plan6 (vgl. Beitrag zum Schütze-Schloss) sind an dieser Stelle bereits mehrere Gebäude verzeichnet. Die hier nur sehr schwer lesbare Schrift lässt ein Kornhaus und einen Schafstall vermuten. 1735 schrieb der Baumeister vom "neuen Thorweg, zwischen den Brau-Hause und der Meyerey".19 Ein Plan von Huth aus dem Jahre 187120 zeigt bereits den Grundriss des heutigen Gebäudes, in dem die "Alte Wache" und die "Gärtnerwohnung" untergebracht sind. Leider fiel der Bau 1963 einer Brandstiftung zum Opfer. Dach und Westfassade wurden danach modern wiederhergestellt.

In den erhaltenen Akten findet sich kein Hinweis auf die Erbauungszeit der beiden Taubentürme im Wirtschaftshof. Wegen ihrer symmetrischen Aufstellung können sie erst entstanden sein, nachdem die Hauptachse geschaffen worden war. Wir können davon ausgehen, dass sie ein fester Bestandteil von Schützes Planung waren und im Zuge seiner Um- und Ausbauarbeiten errichtet wurden. 1991 wurden die Hauben in vereinfachter Form erneuert und die Türme neu gestrichen.

In den Jahren 1733 bis 1735
21, 22 entstand außerhalb des Wirtschaftshofes ein neuer Schafstall. Er liegt auf einem Hügel etwa 1 km östlich des Schlosses und bildet dort den visuellen Abschluss der Hauptachse.

Rekonstruktionsversuch des Bauzustandes von 1750, vor dem Schlossbrand. Die vom Baumeister Schütze abgebrochenen Gebäude wurden nur durch Linien dargestellt.

Panoramaaufnahme des Wirtschaftshofes mit Blick zum Schloss: südlicher Taubenturm, Scheune, Schlossauffahrt, Stall, nördlicher Taubenturm.

Blick vom Schloss zum Wirtschaftshof, Ansichtskarte von 1935.

Ehemaliges Brauhaus, Hofseite.

Gewölbe im Brauhaus.
Anmerkungen und Quellen
  1. Ich bedanke mich für Materialien, Hinweise und Unterstützung bei Oranna Dimmig (Berlin), Erhard Micklisch † (Dornburg) und Rolf Thiel (Zerbst).
  2. Landeshauptarchiv Land Sachsen-Anhalt, Nebenstelle Dessau  (Abk. LHASA, DE), Facharchiv Zerbst, Fach 70, Nr. 14
  3. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 3198, Folio 1 und 2
  4. LHASA, DE, Kammerrechnungen Zerbst 1728/29, Seite 196
  5. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 1512, Folio 1 - 2
  6. Situationsplan des Schlosses Dornburg, undat. (wohl zw. 1725 und 1730) beschriftet von J. C. Schütze, Graphische Sammlung der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau. Ich bedanke mich bei allen Mitarbeitern, vor allem bei Frau Heise, für die vielfältigen Hilfen auch bei der Transkription des schlecht lesbaren Originals. Horst Dauer hat in seinem Buch erstmals explizit auf die Existenz des Schütze-Schlosses hingewiesen, hier wurde auch der Schütze-Plan zuerst veröffentlicht.
  7. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 1512, Folio 1 - 2
  8. LHASA, DE, DAK Nr. 112, Tit. II, Litr. D2, Nr. 1, Seite 109 und 110, hierzu gehört eine Karte von Stellbogen, die heute in der Grafischen Sammlung der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau aufbewahrt wird.
  9. Beckmann, Johann Christoph: Historia des Fürstenthums Anhalt, Zerbst 1710
  10. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 483, Folio 12
  11. Grafische Sammlung der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau "Eigentl. Abriß des neuen Stalles zu Dornburgl. wie selbiger der gegenüberstehenden an Einhundert Ellen langen Scheune in Größe als auch art nach zu bauen, und in ansehung der unumgängl. Wirtschafftsbedürffnis zu bauen ist", unten rechts signiert mit: "J C Schütze anno D. 1730"
  12. Grafische Sammlung der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau "Abriß des neuen Stalles zu Dornburgl.", unten rechts signiert mit: "J C Schütze A Dom. 1733"
  13. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 1512, Folio 14 Vorder- und Rückseite
  14. LHASA, DE, Facharchiv Zerbst, Fach 94, Nr. 11, Folio 24 Vorderseite bis 25 Vorderseite
  15. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 1512, Folio 31 und 34 vom 14.05.1735 bzw. 03.03.1736
  16. LHASA, DE, Kammerrechnungen Zerbst, 1726/27
  17. LHASA, DE, Kammerrechnungen Zerbst, 1728/29
  18. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 8179, Folio 55 Vorderseite
  19. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 3198, Folio 14 Vorderseite bis Folio 16 Vorderseite
  20. LHASA, DE DAK Nr. 112 "Acten der Dominal Auseinandersetzungs-Commission in Dessau betreffend die Herzogl. Domainen Dornburg und Buhlendorf, Tit. II, Litr. D2, Nr. 4, angefangen im Jahre 1869, geschlossen 1870"
  21. LHASA, DE, Kammerrechnungen Zerbst, 1733/34
  22. LHASA, DE, Kammerrechnungen Zerbst, 1734/35