Schloss Dornburg an der Elbe
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Ausgrabung 1. Steinburg 2. Steinburg Herrensitz Residenz der Nebenlinie

Die Vorgängerbauten bis zum 18. Jahrhundert
von Stefan Schüler

Die Residenz der Nebenlinie Anhalt-Zerbst-Dornburg bis zum Bau des Schütze-Schlosses (1674-1726)
Durch den Tod des Johann von Münchhausen (1674) konnte das Zerbster Fürstenhaus das Lehen einziehen und das Gut Dornburg für die eigene Familie nutzen.
90 Die Fürsten von Anhalt-Zerbst gingen erst 1676 zur Primogenitur über. Da auch jene versorgt sein wollten, welche man aus der Nachfolgeordnung nach dem Erstgeburtsrecht ausschloss, musste sich Carl Wilhelm (1652-1718) mit seinen drei Brüdern einigen. Vom Vertragstext interessiert uns vor allem der 10. Punkt: "Wenn ... einer von denen jüngern Herrn Gebrüdern ... so dann um Einräumung eines Amtes ... zur wesentlichen Residenz bei dem ältesten Herrn Bruder freundbrüderliche Erinnerung thun würde, hat derselbe versprochen, mit ihm eines Residenz-Ortes halber sich ... zu vergleichen, und da es an Bequemlichkeit daselbst ermangeln solte, solchen auf seine Kosten besser aptiren zu lassen ... ".91 Nun trat dieser Fall im Jahre 1688 ein.90

Es muss nicht nachteilig sein, von den Regierungspflichten ausgeschlossen zu werden, solange man ein gutes Auskommen hat. So konnte Johann Ludwig I. (1656-1704) eine recht umfangreiche Kavalierstour durch Europa antreten. Viele nichterstgeborene Adelige zwangen wirtschaftliche Gründe dazu, sich bei den Armeen zu verdingen. Seine einzige militärische Unternehmung klingt fast wie eine Entschuldigung. Er "wolte auch nicht gänzlich ohne alle Kriegs-Uebungen seyn, nahm deswegen eine Compagnie ..., ging damit nach Ungarn, und wohnete der, wiewohl vergeblichen Belagerung von Ofen ao. 1684. mit bey, und kam unverletzt wieder zurücke. Hierauf begab er sich zur Ruhe, legte seyne Residenz zu Dornburg an, und vermählte sich mit dem Fräulein Christianen Eleonoren von Zeutsch ... "
91 Die Kinder aus dieser Ehe wurden am 6. Januar 1696 von Kaiser Leopold (1640-1705) in den Reichsfürstenstand erhoben.91 Somit war in Dornburg eine Nebenlinie entstanden, deren Grundbesitz (im wahrsten Sinne des Wortes) überschaubar war.

Die Söhne der Familie von Anhalt-Zerbst-Dornburg besuchten die "Fürsten- und Ritter-Academie" in Berlin
.91 und versuchten ihr Glück beim Militär. Johann August (1689-1709) musste sehr früh erfahren, dass man sich beim Feldzug in Italien noch mehr holen konnte als nur Meriten, nämlich "Brust-Beschwerung und starken Husten ... Sein Leichnam wurde darauf balsamirt, und von der Armee in der Stille nach Teutschland abgeführet."91 Christian Ludwig (1691-1710) war ein ähnliches Schicksal beschieden als er bei der Belagerung der Festung Aire fiel.92

Nachdem der alte Herrensitz nun zur Residenz der Nebenlinie Anhalt-Zerbst-Dornburg geworden war, nahm man einige bauliche Veränderungen vor
.90Dies war recht bequem, da man solche nach dem oben angeführten Erbvertrag nicht selbst bezahlen musste. Der Stich entstand nach einer Zeichnung des Baumeisters Schuchardt, für die er im Rechnungsjahr 1709/10 entlohnt wurde.93 Die Ansicht ist keine Vedute sondern trägt eher den Charakter eines Schaurisses, der die einzelnen Gebäude in Szene setzen soll und weniger Rücksicht auf die tatsächliche Perspektive nimmt. Auf derselben Seite in Beckmanns Werk findets sich eine Ansicht des Dorfes Mühlingen (heute Großmühlingen), was Schuchardt in gleicher Art inszenierte.

 
Abb. 15: Unbezeichneter Kupferstich aus Beckmanns Historia des Fürstenthums Anhalt von 1710. Die Ansicht zeigt Dornburg von Osten, wobei die linke Seite mit den Bauernhäusern bis zum ersten größeren Gebäude (eventuell ein Brauhaus) in den Hintergrund gesetzt wurde, um die fürstlichen Gebäude hervorzuheben.

Mehr Vertrauen können wir der bereits genannten sehr genauen Karte, die der Freiberger Markscheiders August Beyer nur wenige Jahre zuvor im Mai 1700 zeichnete, wobei hier natürlich keine Bauaufnahme zu erwarten ist, da es ihm nur auf die Grenzen des Dornburger Besitzes ankam.94 Daraus ergibt sich, dass Schuchardt als Standpunkt für seine Vorzeichnung zum Kupferstich den „Sprenkelbusch“ (am Ostende des Neuen Gartens) gewählt haben muss.

Nun können wir den Versuch einer Rekonstruktion unternehmen. Nach der Zerstörung der alten Burg am Elbbogen im Jahr 1436 hat der neue Besitzer in der Kirche gewohnt, dort mehr Gebäude aufgebaut
95 und somit seinen Herrensitz auf den jetzigen Schlossberg verlegt. Der Sakralbau scheint vorerst nicht mehr als solcher genutzt worden zu sein, seine zwei Glocken gingen ins benachbarte Prödel.96 Es wird auch kein Pfarrer mehr in Dornburg genannt. Allerdings hat Statius von Münchhausen (1555-1633) die Kirche erneuern lassen.97

Hilfreich ist weiterhin ein erhaltener Plan
98 des Baumeisters Johann Christoph Schütze (1687-1765), der zwischen 1722 und 1727 entstanden sein muss.

Abb. 16: Rekonstruktion des Bauzustandes 1710 mit Hilfe der Abbildung 15 sowie der Darstellungen von A. Beyer94 und J. C. Schütze98. Die Beschriftung wurde aus Schützes Plan übertragen.
(1) der alte und Kirchflügel (6) alte Scheune
(2) alter Thurm (7) ehemals alter ort (?) zum Brauhauße
(3) Ambthauß am Vorwerk (8) Schafstall ?
(4) Pferd[estall] (9) Kornhauß
(5) der alte Stall … (10) alte … Mauer

Der „alte und Kirchflügel“ enthält vielleicht die Reste der alten Kirche, geht jedoch mindestens bis auf die Zeiten der Lattorfs und Münchhausens zurück. Wahrscheinlich blieben davon die beiden gewölbten Kellerräume etwa 10 m östlich von der Südostecke des jetzigen Schlossbaus erhalten. Heute sind sie über einen Kellergang vom Südgarten aus erreichbar, in welchen allerdings eine Treppe des Gemeindehauses mündet.

Das von Schütze als „alter Thurm“ bezeichnete Bauwerk ist nach der Karte von Beyer eher ein Torhaus. Bei dem großen Repräsentativbau mit Treppenturm (?) an der Nordwestecke dürfte es sich um das „Neue Gebäude“ handeln, das Fürst Carl Wilhelm von Anhalt-Zerbst (1652-1718) „zu mehrer Bequemlichkeit … an stat des Alten Stocks daselbst setzen“ lassen hat.
95 „Wobei annoch zugedencken / daß bei Niederreißung des alten Stockwercks / indem man begriffen gewesen das Fundament zu suchen / auf die 30. Schub-Karren voller Gebeine heraus gegraben worden / welches die Vermuthung / daß allda die Kirche und Kirch-Hof gewesen / umb so viel mehr stärcket / bevorab da auch der hinter dem Schloss befindliche See annoch der Kirchen-See genannt wird. Hierbeneben hat man auch in der Mauer in einem kleinen viereckigten Loche / wie einem gewölbeten Kästchen / eine Knobbe Flachs gantz unversehrt und frisch / auch unter einigem Mauerwerck einen umbgestürzten Topf mit Asche und Kohlen angefüllet / welcher vermuhtlich einer von den alten Heidnischen Urnis gewesen / auch an einem andern Ohrte einen kleinen Krug und noch weiter eine Schaf-Schere eingemauert gefunden; Aus was vor eine Persuasion [Glaube, S. Schüler] lässet sich nicht wohl melden.“95

Fürst Johann Ludwig I. (1656-1704) von Anhalt-Zerbst-Dornburg hat im Süden und Westen „einen angenehmen Garten von Baum- auch Küchen- und Bluhm-Werck / ingleichen von Außländischen Gewächsen nebst einem Winter-Hause zu Bewahrung derselben anlegen lassen.“
95 Die bis heute stehenden Gartenmauern im Süden und Westen müssen zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden sein. Auf der Karte von August Beyer scheinen stattdessen nur Zäune zu sein.

Zur Geschichte des Schütze-Schlosses (ab 1722)

Quellen und Anmerkungen
  1. Johann Christoph Beckmann, Historia des Fürstenthums Anhalt, Zerbst 1710. Kupferstich von Dornburg und Mühlingen eingefügt zwischen S. 342 und 343.
  2. Samuel Lentz: Becmannus enucleatus, suppletus et continatus oder Historisch-Genealogische Fürstellung des Hochfürstlichen Hauses Anhalt und der davon abstammenden Marggrafen zu Brandenburg, Herzöge zu Sachsen und Sachsen-Lauenburg, Cöthen und Dessau 1757.
  3. Johann Heinrich Zedler: Großes vollständiges Universallexicon aller Wissenschaften und Künste, Bd. 61, S. 810.
  4. LASA, Z92, Kammerrechnungen 1709-1710.
  5. Anm. 31.
  6. Anm. 90, S. 345.
  7. „Kopie von Georg und Adolf, Gevettern, Fürsten zu Anhalt Wiederkaufsverschreibung über zwei Glocken, so zu Dornburg gehangen, welche ihre fürstlichen Gnaden dem Schultzen und Gemeinde zu Pröddel für 20 alte Schock Kreutzegroschen wiederkäuflich überlassen.“ In: LASA, Z 4 IV, 585 Nr. 3.
  8. Entsprechend der Leichenpredigt von 1633 hat Statius von Münchhausen „zur Ehre Gottes 9 Kirchen new erbauet und zwei Kirchen renovieren lassen, die eine auff dem Hause Dornburg“. Wir danken Professor Bernd Krämer (Grünenplan) für diesen Hinweis.
  9. Situationsplan des Schlosses Dornburg, undat. (wohl zw. 1725 und 1730) beschriftet von J. C. Schütze, Graphische Sammlung der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau. Die Abbildung kann aus Gründen des Archivrechts hier nicht veröffentlicht werden. Ich bedanke mich bei allen Mitarbeitern, vor allem bei Helga Heise, für die vielfältigen Hilfen auch bei der Transkription des schlecht lesbaren Originals. Horst Dauer hat in seinem Buch erstmals explizit auf die Existenz des Schütze-Schlosses hingewiesen, hier wurde auch dieser Schütze-Plan zuerst veröffentlicht. Horst Dauer: Schlossbaukunst des Barock von Anhalt-Zerbst, Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln, 1999, S. 243.