Schloss Dornburg an der Elbe
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Die Burgen bis zum 15. Jahrhundert

von Stefan Schüler

Der heute als Ziegeleiberg bekannte Ort lag damals strategisch günstig zwischen verschiedenen Elbarmen. Die erste ergrabene Steinburg1 wurde wohl durch Albrecht den Bären (eigentlich Adelbert, 1100-1170) gegründet, der somit die von ihm eroberten Gebiete sicherte. 1155 erhielt das nahegelegene Kloster Leitzkau den Zehnten in den Dörfern Sielitz und Prödel "de bonis marchionis Adelberti Turneburg pertinentibus".2 Albrechts Sohn, Dietrich von Werben (ca. 1138-nach 1183), erklärt kurz nach 1170, dass ihm entsprechend der Erbteilung seines Vaters "Toorneburch cum omnibus bonis illuc pertinentibus" zugefallen sei.3 Allerdings waren zu dieser Zeit die Grafen von Mühlingen mit seinem Besitz belehnt, da aus ihrem Stamm ein „Bodericus de Dornburg“ (Badericus I, auch Bederich) sowie dessen Söhne Siegried und Badericus II. genannt werden.4 Ein "castrum Dhornenburch super ripam Albie" erscheint erst 1236 in einem Streit zwischen dem Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg und einem Iwan, dem "militem castrensem de Dornborch".5 Nach dem Aussterben der Mühlinger übernahm das Geschlecht der Arnsteiner um 1240 deren Grafschaft.6


Aufzeichnungen von Max König, dem örtlichen Grabungsleiter von 1933.

Entsprechend des archäologischen Befundes von 1933 wurde die Dornburg um 1300 gründlich zerstört. Darüber fand sich eine zweite, weniger sorgfältig errichtete Wehranlage.1 Am Ende des 14. Jahrhunderts muss der Ort an die Familie von Schierstedt gekommen sein, da die "Magdeburger Schöppenchronik" berichtet, dass Fürst Albrecht von Anhalt (1382-1423) im Jahre 1413 Dornburg für 2000 Gulden dem Ruprecht von Schierstedt abkauft.7 In einer diesbezüglichen Urkunde wird auch eine Vorburg genannt.8 Allerdings müssen die Zerbster Herren es schon bald wieder als Lehen an den Schenken Ulrich von Quast vergeben haben. Dieser war in mehrere Fehden verwickelt und wurde von einigen Nachbarn des Raubrittertums bezichtigt,9 worauf Kursachsen bei den anhaltischen Fürsten protestierte. Da dies keinen Erfolg zeigte, griffen die Sachsen 1436 Dornburg an. Fürst Georg I. von Anhalt (um 1390-1474) "zog zunächst friedlich, um die Gefahr eines kriegerischen Konflikts zu vermeiden, den heranrückenden Sachsen auf Lindau zu entgegen, traf sie spät in der Nacht auch an, konnte aber ihren Marsch nach Dornburg nicht mehr aufhalten, sondern den Ulrich Quast nur noch warnen lassen. Bei seiner Rückkehr nach Zerbst fand er die Zerbster bereits völlig gerüstet und rückte mit ihnen ebenfalls vor die Dornburg."9 Thomas Quast, der Bote des Zerbster Fürsten, hatte seinen Vetter nicht angetroffen und übergab die Burg kampflos an die Sachsen, die sie ausgiebig plünderten. Peter Beckers Ratschronik der Stadt Zerbst berichtet weiter: "da lepen de borgere van Czerwest mede thu unde hulpe nemen, wat si kunden (da liefen die Bürger von Zerbst mit hinzu und halfen nehmen, was sie konnten)."10 Dann sank die alte Dornburg in Schutt und Asche. Die Kampfhandlungen müssen sich auch auf das Dorf ausgewirkt haben, da in den Matrikeln des Bistums Brandenburg Dornburg als "deserta" (zerstört) genannt wird.11 Am 8. Februar 1451 wurde die Ruine für 600 Schock alter Kreuzgroschen an Heinrich von Fallersleben verkauft.12 Dieser hat "sich anscheinig gemacht / das wüste Schloß wieder zu bauen / inzwischen aber mit den Seinigen in der Kirche gewohnet / das Schloß aber dennoch wüste liegen lassen; Hergegen nebst der Kirche mehr Gebäude zu seiner fernern Bequemlichkeit aufgebauet."13 Auf dem jetzigen Schlossberg stand also bis dahin nur eine Kirche.

Quellen und Anmerkungen

  1. Heinz A. Knorr: Die Dornburg an der Elbe, Ausgrabung einer mittelalterlichen Burg. In Walter Möllenberg (Hrsg.): Sachsen und Anhalt, Jahrbuch der Landesgeschichtlichen Forschungsstelle für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Band 15, Magdeburg, 1939, S. 9-85
  2. Dr. Otto von Heinemann, (Hrsg.): Codex Diplomaticus Anhaltinus, A. Desbarts, Dessau, 1869, S. 301f: "1155. September 13. Erzbischof  Wichmann  von Magdeburg über die in Gegenwart des  Markgrafen Albrecht und seines ganzen Hauses geschehene Einweihung der Marienkirche zu  Leitzkau. ...."
  3. Dr. Otto von  Heinemann (Hrsg.): Codex Diplomaticus Anhaltinus, A. Desbarts, Dessau, 1873, Nr. 534.
  4. Baderich I. wird z. B. genannt in: Anm. 2, Nr. 424: 1156 "Bodericus de Dornburg";  Nr. 454: 1159 "Baderici de Iabelenzse". Es sei dahin gestellt, ob er mit dem Burggrafen von Brandenburg gleichen Namens identisch ist. Seine beiden Söhne Baderich II. und Siegfried werden z. B. genannt in: Anm. 3,  Nr. 655: Um 1187 "Syfridus de Thorneburch, Badericus frater eius", Nr. 663:  Ende Nov. 1188  "comes Sifridus de Thornburch", Nr. 669: 1189  "Sifrido de Thorneburg", Nr. 686: 1194 "Sifrido de Dorneburg et fratri suo Baderico ", Nr. 691: 1194 "liberi Sifridus burchgraviua de Brandenburch et frater eius comes Bedericus de Thornburch", Nr. 701: 1195  "Bedericus comes de Mulinge", Nr. 725: 1198 "Bedericus comes de Dhornburg". 1215 wird Badericus II. gemeinsam mit einem Badericus III. in einer Urkunde genannt in Heinemanns Fortsetzungsband von 1875, Nr. 19: 1215 "Bedericus comes de Doremborg, … Bedericus castellanus Brandeburgensis". Rüter  vermutet hinter Baderich III. einen Sohn Siegfrieds, da auf ihn die Grafschaft Mühlingen überging. (H. Rüter: Die Grafen von Dornburg. In: Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg, Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde des Herzogtums und Erzstifts Magdeburg, Verlag der Schäfer’schen Buchhandlung, Magdeburg, 20. Jahrgang, 1885, S. 101-124.) Baderich III. wird im selben Band von Heinemann genannt: Nr. 117: 1233 "Bedericus comes de Mulinge" Nr. 149: 1240 "Bedericus dictus de Mulinge".
  5. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis, G. Reimer, Berlin, 1863, 1. Hauptteil, Bd. 24, S. 332f. Nach Rüter ist Iwan ein Ministraler aus dem Geschlecht  der de Monte (Erichsberger) benannt nach der Erichsburg bei Günthersberge im Harz (siehe Anm. 6).
  6. H. Rüter: Dornburg a. E. Eine Geschichte des Ortes u. der mit ihm belehnt gewesenen adeligen Geschlechter. In: Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Geschichte, Band VI, Dessau, 1893, Seite 90 ff..
  7. Karl Janicke: Die Magdeburger Schöppenchronik. In: Die Chroniken der deutschen Städte, Bd. 7, Verlag von S. Hirzel, Leipzig, 1869, S. 337
  8. Reinhold Specht: Zur angeblichen Kaiserpfalz Dornburg an der Elbe. In Walter Möllenberg (Hrsg.): Sachsen und Anhalt, Jahrbuch der Landesgeschichtlichen Forschungsstelle für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Band 15, Magdeburg, 1939, Specht zitiert aus einer Urkunde vom 23. November 1413 aus einem "Kopialbuch Fürst Adolfs u. anderer Fürsten". Das Original scheint inzwischen verschollen.
  9. Hierzu sind zwei Fehdebriefe veröffentlicht in: Johann Christoph Beckmann: Historia des Fürstenthums Anhalt, Zerbst 1710, S: 343f.
  10. Reinhold Specht: Geschichte der Stadt Zerbst in zwei Bänden, herausgegeben von der Stadt Zerbst anläßlich der 1050 Jahrfeier, Anhaltische Verlagsgesellschaft mbH, Dessau, Verlagsbuchhandlung Friedrich Gast, 1998, Band 1, S. 87. Specht zitiert hier teilweise wörtlich aus Anm. 10, wobei er den Text vorher ins Hochdeutsche übertragen hat.
  11. Friedrich Kindscher (Hrsg.): Peter Beckers Zerbster Chronik. In: Urkundensammlung zur Geschichte von Anhalt, Baumgarten und Comp., Dessau, 1858, S. 76ff und Anm. S. 166. Kindscher schreibt das Werk dem ehemaligen Zerbster Bürgermeister Peter Becker (gestorben etwa 1455) zu. Man nimmt an, dass es von einem anonymen Stadtschreiber verfasst wurde.
  12. Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis, F. H. Morin, Berlin, 1847, 1. Hauptteil, Bd. 8, S. 419.
  13. LHASA, Z2, Nr. 432. Heinrich von Fallersleben, genannt Lunink (Spatz, Sperling). Dieser  ist mit Beckmanns (Anm. 14) "Leunigk oder Lünigk, Schminck oder Scheningk" identisch.
  14. Johann Christoph Beckmann: Historia des Fürstenthums Anhalt, Zerbst 1710.
Zum Herrensitz vom 15. bis zum 17. Jahrhundert