Schloss Dornburg an der Elbe
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Neuer Garten
von Stefan Schüler
Im Gegensatz zum Alten Garten besaß der östliche Teil keinen Mauerring, weshalb er einen besseren Übergang zur natürlichen Landschaft herstellt. Seine Anlage als verlängerte Hauptachse war erst möglich, nachdem ein Elbdamm errichtet worden war. Hier wurde das mühsam dem Fluss abgerungene Land nicht vorrangig für den Anbau von Nutzpflanzen verwendet, was als Zeichen größeren Reichtums galt. Da er im 1710 erschienenen Beckmannschen Werk1 nicht abgebildet wurde, können wir davon ausgehen, dass man erst später mit der Anlage des Neuen Gartens begann. Der am 16. Juli 1718 "so genante neue Lust Garte"2 ist bereits "nicht allein wegen höchst nachläßiger Abwart- und pflegung in merkliche Abnahme und Decadance per se gediehen".2 Offensichtlich bezieht sich diese Aussage noch auf den Alten Garten, da nur dieser damals schon schon längere Zeit existierte.

Die Arkaden sind ein typisches Merkmal für die barocke Gartenkunst, sie konnten z. B. aus Hainbuchen geformt werden. 1748 wird Holz zu den "beyden Berceaux an die Bassins"3 angefordert, wodurch wir gleichzeitig ihre Lage erfahren. Der Dornburger Amtsverwalter Dörfling meldet am 2. Dezember 1760, "daß der große Wind an die Arcaden in dasigen neuen Lustgarten vielen Schaden gethan",4 weswegen sie im folgenden Jahr auch repariert wurden.5 1784 fanden ebenfalls Reparaturarbeiten statt.6 Noch am Anfang des 20. Jahrhunderts waren beide Teiche am Garteneingang von dichten Hecken umgeben (Abb. 17 und 18). Da die Hainbuche viele Verstümmelungen überlebt, finden sich noch heute einige Exemplare. Gerade auf dieser Eigenschaft beruhte die Beliebtheit der Pflanze im Barockgarten, konnte sie doch besonders gut in Form geschnitten werden (Abb. 19).

Die Bassins zu beiden Seiten des Hauptweges müssen 1748 bereits vorhanden gewesen sein.3, Am 7. November 1730 wurden in Zerbst "kleine Forellen zu Besetzung eines neu angelegten Teichs in Dornburg"7 angefordert, hier dürfte es sich um die Bassins handeln. 1764 werden sie als Fischteiche genannt, aus denen 123 Karpfen abgefischt wurden. Gleichzeitig wurde neue Karpfen- und Karauschenbrut eingesetzt.8

Auf Petschows Luftaufnahme vom Anfang des 20. Jahrhunderts
9 ist noch deutlich ein Cabinet de Verdure zu erkennen. Es handelt es sich um ein "grünes Zimmer", also einen Platz, der von hohen Hecken umgeben ist. Solche Orte wurden z. B. für Spiele und Theateraufführungen genutzt. Die notwendigen "Pfähle von Eichen Holtz zu den beyden Cabinets de Verdure an dem Eintritt der Seiten Allée" forderte die Fürstin Johanna Elisabeth am 4.10.1748 persönlich bei der Kammer Zerbst an.3 Die Hecken sollen 1918 beseitigt worden sein.10 Beim folgenden Gartenquartier dürfte es sich um einen Lindensaal handeln. Die Baumstämme wirken wie Säulen. Das Blätterdach sorgt für angenehme Kühle an heißen Sommertagen.

Weitere Gartenquartiere werden in den Schriftquellen nicht näher beschrieben, weshalb wir uns in der Rekonstruktionszeichnung auf die Wegführung beschränkten. Wahrscheinlich waren die einzelnen Teile von hohen Hecken aus Hainbuchen umgeben. Die Karten11 und 12 geben hier die zeittypischen Broderien wieder, wobei unsicher bleibt, inwieweit man ihnen Glauben schenken darf. Da beide Werke auch in den offensichtlichen Fehlern übereinstimmen, ist zu vermuten, dass de Furtenbach12 mehr oder weniger Siebeck11 kopiert hat. In der Mauer um den Alten Garten fehlen die runden Vorsprünge und die noch vorhandene Auffahrt an der Nordseite quer durch den dortigen Garten wird verschwiegen. Während im Alten Garten die Aufstellung der Orangenbäume in Kübeln das einzige Detail darstellen, wird dem Betrachter der Neue Garten anscheinend in allen Einzelheiten beschrieben. Allerdings sind die Arkaden kaum als solche erkennbar. Natürlich ist in den kartographischen Darstellungen kein Unterschied zwischen hohen Heckenquartieren und niedrigen Buchsbaumornamenten zu erkennen. Petschows schon genannte Luftaufnahme und Karten aus dem 19. Jahrhundert zeigen zwei große Rondelle, die Siebeck und de Furtenbach nicht kennen. Wenn diese Gartenteile wirklich grundlegend umgestaltet worden sind, dann dürfte dies noch unter der Regie des Köthener Herzogs August geschehen sein. Tatsächlich wird 1803 die nicht unbeträchtliche Summe von 790 Talern zur "Instandsetzung von Gärten und freyen Plätzen"13 eingesetzt.

Die in den Plänen des 18. Jahrhunderts
11 und 12 abgebildeten regelmäßigen Baumanpflanzungen am östlichen Abschluss des Neuen Gartens könnte man als Lustwald deuten. 1748 wird dieses typische Gestaltungselement später Barockgärten auch genannt.2 Im allgemeinen waren sie von mehreren Wegen durchzogen, die sich in einem Zentrum trafen. Größere Flächen wurden manchmal eingezäunt, um darin Tiere zu halten und auch Schaujagden zu veranstalten. So entstand z. B. der Berliner Tiergarten mit der später eingefügten Siegessäule im Zentrum.

Im Herbst 1749 wurde ein größerer Posten Sandsteine bestellt
14 und 15, u. a. "40 Stück Pirnische Steine zur Einfaßung eines Bassins à 6 Fuß lang, 1 Fuß 2 Zoll breit, und 9 biß 10 Zoll Dicke".15 Hierbei dürfte es sich um das Material für den Abschluss der Gartenachse handeln. Dieses Bassin wurde durch eine unterirdische hölzerne Leitung aus einem südöstlich gelegenen See gespeist, weshalb es wohl als Reservoir zur Bewässerung des Gartens diente. Außerdem waren 4 Brunnen ausgemauert.16 Am 19. November 1735 wird Holz angefordert, das zum Bau von Pumpen verwendet werden sollte.16


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Quellen und Anmerkungen
  1. Johann Christoph Beckmann: Historia des Fürstenthums Anhalt - Zerbst, 1710, VI. Kap., Seite 345
  2. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 3198, Folio 1 und 2
  3. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 3197, Folio 1
  4. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 6662, Kammerprotokolle 1760, Seite 156
  5. LHASA, DE, Kammerrechnungen Zerbst, 1761/62, Seite 191
  6. LHASA, DE, Kammerrechnungen Zerbst, 1784, Seite 197f
  7. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 3198, Folio 7 Vorderseite
  8. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 8251, Folio 2
  9. "Petschow hat zwanzig Jahre lang mit 'geographischer Ergriffenheit' Deutschland aus dem Freiballon, zuweilen aus dem Zeppelin, photographiert...." aus: Eugen Diesel: Das Land der Deutschen. Mit 2 Karten und 481 Abbildungen vorwiegend nach Luftaufnahmen von Robert Petschow -Leipzig, 1931, S. 5
  10. Harald von Koenigswald (Hrsg.): Besuche vor dem Untergang, Adelssitze zwischen Altmark und Masuren, Aus Tagebuchaufzeichnungen von Udo von Alvensleben, Verlag Ullstein GmbH, Berlin-Fankfurt/M.-Wien, 1968, Seite 119
  11. D. Siebeck, Grundriss von Dornburg, 1766, Feder in Schwarz und Braun über Graphit, aquarelliert, 70,5 x 69,8 cm, Anhaltische Gemäldegalerie Dessau, Graphische Sammlung, Inv. Nr.: Z II 2184
  12. J. J. de Furtenbach, 1770/75 "Geometrischer Grundriß von Dornburg nebst den dazu gehörigen und einigen angrenzenden fremden Grundstücken." Sign. u. beschr. r. u.: primo dimensum i D. Siebeck Recognitum, emendatum et in novam Faciem deductum a' J.J. de Furtenbach. Anhaltische Gemäldegalerie Dessau, Graphische Sammlung
  13. LHASA, DE, Abteilung Köthen, A 13, Nr. 27, Folio 1
  14. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 3197, Folio 9
  15. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 1511, Folio 1 Vorderseite
  16. LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 3198, Folio 18 Vorderseite

Abb. 4: Rekonstruktionsversuch zum Zustand von 1760.

Abb. 17: Blick auf den Eingang des Neuen Gartens von Westen, Ansichtskarte, gestempelt 1921.

Abb. 18: Blick vom Neuen Garten zum Schloss in den 1920-er Jahren.

Abb. 19: Die Arkaden an den Bassins wurden in der Mitte des 20. Jahrhunderts aufgegeben, einige Hainbuchen der alten Bepflanzug haben bis heute überlebt.

Abb. 20: Hainbuchen am südlichen Bassin.

Abb. 21: Die Reste der nördlichen Begrenzungsallee.