Schloss Dornburg an der Elbe
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Eine unbekannte Kirche Die Kirchweihe 1758 Grabsteine

Der Plan einer "unbekannten" Kirche
von Stefan Schüler
Als Dirk Herrmann vom "Förderverein Schloss Zerbst e. V." im Rahmen seiner Forschungsarbeit in der evangelischen Kirchengemeinde St. Bartholomäi zu Zerbst auf drei Blätter mit Planzeichnungen zu einer Kirche stieß, musste diese zuerst verortet werden. Wahrscheinlich ist die Akte bei einer Neuordnung des Archivs im Jahre 1851 angelegt oder ergänzt worden. Auf dem Deckblatt lesen wir "Acta pastoralia die Schloss=Kirche in Zerbst betreffend" und über dem Inhaltsverzeichnis steht "Zerbster Schloßkirche". Als letzten Eintrag vermerkte die ordnende Hand "Risse von einer Kirche, ich weiß nicht von welcher".1

Da ein "Hochfürstl. Gewölbe" bzw. ein "Fürstl. Begräbniß"
1eingezeichnet ist, musste man zuerst an die Residenz der Nebenlinie Anhalt-Zerbst-Dornburg denken, wo mindestens drei Sakralbauten nacheinander errichtet worden waren. Allerdings sind alle Familienmitglieder dieses Zweiges in Zerbst beigesetzt. Die in den Rissen dargestellten Bauten passen auch nicht zu den örtlichen Verhältnissen in Dornburg. Letztlich konnten wir die drei Pläne dem Dorf Großmühlingen bei Schönebeck in Sachsen-Anhalt zuordnen. 

Ein Erweiterungsbau (Plan 1)
Auf der Außenseite dieses ersten, wohl ältesten Bogens steht "Entwurf des Grundplans vom itzig alten [oben] und vom zu erweiternl. neuen Kirchengebäude [unten]".1 Rechts vom Turm ist jeweils das "Fürstl. Begräbniß" vermerkt. Die Zeichnung ist unsigniert, nicht datiert und kann bisher keinem Zerbster Baumeister zugeordnet werden. Ein solcher hätte sie wohl auch nicht in dieser skizzenhaften Qualität abgeliefert. Das Papier hat etwa das Format Kanzlei/Doppelfolio, 33 x 42 cm. Der obere Grundriss passt zur alten romanischen Kirche in Großmühlingen, die 1882 abgerissen wurde. Pastor Friedrich Loose (1853-1930) fertigte eine Rekonstruktionszeichnung nach Beschreibungen von Zeitzeugen an (Abb. 2).2 Bei seiner Amtsübernahme im Jahre 1898 stand bereits der neugotische Sakralbau, der in den Jahren 1996-2007 durch den Kirchbauverein "St. Petri" in Großmühlingen mit großem Aufwand restauriert wurde.

Außerhalb der Zerbster Residenz des Zwergstaates wurde nur in diesem Bördedorf eine fürstliche Begränisstätte errichtet. Hier ruhen Fürst Anton Günther von Anhalt-Zerbst (1653-1714) und dessen Frau Auguste Antonia (1659-1737).3 Somit dürfte der erste in St. Bartholomäi gefundenen Plan (Abb. 1) nicht vor 1714 entstanden sein, wobei die beschriebene Erweiterung nie ausgeführt wurde.

Ein Neubau (Pläne 2 und 3)

Zwei zusammengehörige, sehr sorgfältig ausgeführte Bauzeichnungen zeigen uns, dass man in Großmühlingen einen großzügigen Neubau errichten wollte.
In den Grundrissen (Plan 2, Abb. 3) sind die Mauern des Turms und der fürstlichen Grablege rot gefärbt und mit der Bemerkung "dieses kann stehen bleiben" versehen. Dadurch wird der Bezug zum Bördedorf bei Schönebeck hergestellt. Außerdem meinen wir, hier die  Handschrift des Maurers Carl Wilhelm Christ zu erkennen,4 der durch Vermittlung des Baumeisters Friedrich Joachim Stengel (1694-1787) nach Dornburg gekommen war, um die Bauleitung in Abwesenheit des Architekten zu übernehmen, weil er dessen Pläne im Kopf hatte, dieselben sogar kopierte.5


Anmerkungen und Quellen
  1. Archiv der ehemaligen Superintendentur in der evangelischen Kirchengemeinde St. Bartholomäi zu Zerbst Signatur der Akte: "Abteilung IV, 3, Nr. 23/1"
  2. Wir danken dem Kirchbauverein "St. Petri" in Großmühlingen für die Bereitstellung der Abbildung und seine sonstige Unterstützung. Die Zeichnung ist veröffentlicht in: Friedrich Loose (Pastor in Großmühlingen): Aus Großmühlingens Vergangenheit. Ein Beitrag zur Volkskunde des ehemaligen Nordthüringgaus, Verlag der Hofbuchdruckerei C. Dünnhaupt, Dessau, 1903.
    Friedrich Loose gibt in der Fußnote zu seiner Zeichnung folgende Erklärung ab: "Um die Erinnerung an die Kirche in der Gemeinde zu beleben und denen, welche im Interesse für Mühlingens Altertümer nach der Bauart der Kirche fragen, die kürzeste Antwort zu geben, wurde das Bild gezeichnet. Es konnte nur nach einem erhalten gebliebenen Grundriß, dem Kirchensiegel und der Beschreibung der Ortsbewohner geschehen. Die Akazie vor dem herrschaftlichen Gewölbe und die Pappel bei der Kirche, beides sehr große Bäume, fehlen dem Bilde, und das viele Hollergebüsch konnte nur angedeutet werden. Die ungefähre Höhe (20 Meter) des dicken Turmmauerwerks folgt aus der Ausgabe für 20 Klafter Leinen zu den beiden Uhrgewichten in der Kirchrechnung 1644. Nach dem Bilde in Beckmanns Chronik hatte das Turmdach früher zwei Wetterfahnen. Die Fahnen von 1685 hatten (Sintenis) die Jahreszahl, besaßen also die Form eines Bandes, nicht eines Tieres. – Falsch ist am Bilde der Kirche das Dach des Turmes gezeichnet; dasselbe lief von Süd nach Nord. (Vergleiche das Bild von Mühlingen in Beckmanns Chronik und die Richtung des Satteldaches auf andern Türmen.)" 
  3. Die Särge wurden in den Kirchenneubau überführt. Dr. Büttner Pfänner zu Thal: Anhalts Bau- und Kunst-Denkmäler ..., Rich. Kahle’s Verlag, Dessau, 1894, S. 180
  4. Vgl. z. B. Vorschlag zu einer Eisgrube in Dornburg, sign. "Dornburg d. 23. Juni 1754 C. W. Christ", LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 2367, Folio 70 Vorderseite
  5. Stengel schreibt kurz vor seiner Abreise aus Zerbst im Jahre 1751: "...so könte der von mir, dem BauDirector Stengel zu der Steinhauer Arbeit an der freyhangenden Treppe mit anhero [nach Dornburg, S. Schüler] gebrachte und auf Hochfürstl. gnädigsten Befehl zurückgebliebene Steinhauer und Maurer Carl Wilhelm Christ, der diese Arbeit von Jugend auf wohl erlernet, auch in Zeichnen, Schreiben und Rechnen gute Fundamente geleget die Schloß-Riße eines Theiles copiret, und selbige im Kopf hat / bei allen Anlagen derer Mauern mit zugegen seyn und solche dem MaurerMeister mit anlegen helfen". LHASA, DE, Kammer Zerbst, Nr. 1523, Folio 102
externer Link zum "Förderverein Schloss Zerbst e. V."
externer Link zur evangelischen Kirchengemeinde St. Bartholomäi in Zerbst

Abb. 1: Plan 1, Grundrisse zur Erweiterung der alten Kirche
externer Link zum Kirchbauverein "St. Petri" in Großmühlingen
Abb. 2.: Zeichnung  des Pastors Friedrich Loose

Abb 3: Plan 2, Grundrisse und Querschnitt zu einem Neubau in Großmühlingen

Abb. 4: Plan 3, Aufrisse zu einem Neubau in Großmühlingen

zur Kirchweihe 1758