Schloss Dornburg an der Elbe
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Marquis de Fraigne Dannigkow 5. April 1813 I. Weltkrieg
J. F. Fasch M. L. Woronzow
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Rom-Paris-Dornburg
Stationen der Reiseroute von Michael Larionowitsch Woronzow (1710-1767)
von Stefan Schüler

Als Elisabeth Petrowna (1709-1761) sich 1741 durch einen Putsch zur Zarin erhob, mussten einige Schaltstellen der Macht neu besetzt werden. Hierbei ging es weniger um Eignung als vielmehr um das Vertrauen der neuen Herrscherin. So wurde ihr Kammerherr Michael Larionowitsch Woronzow (1714-1767)
1 1744 zum russischen Vizekanzler und damit auch zuständig für die Außenpolitik. Zwei Jahre zuvor hatte er Anna Karlowna Skawronskaja, eine Cousine der Kaiserin geheiratet. In ihrer Funktion als Staatsdame war sie der Zarin ebenso treu ergeben wie dem Alkohol.2

Der Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786) zeichnete Woronzow mit seinem Schwarzen Adlerorden aus und förderte so ein Gegengewicht zum preußenfeindlichen Kanzler Alexej Petrowitsch Bestuschew-Rjumin (1693-1766
).3 Als die Fürstin Johanna Elisabeth von Anhalt-Zerbst (1712-1760) im Jahre 1744 nach Russland reiste, um ihre Tochter Sophie Friederike Auguste mit dem Großfürsten Peter zu verheiraten, erhielt sie in Berlin den Auftrag, am Zarenhof für ein preußenfreundliches Klima zu sorgen. Hierbei wollte sie auf Woronzow bauen. Dessen ausgedehnte Tour durch Europa begann am 23. Oktober 1745 in Berlin4, obwohl man sich hier noch im Zweiten Schlesischen Krieg (August 1744-Dezember 1745) befand. Danach setzte er seine Reise zum preußischen Kriegsgegner nach Wien fort. Den Winter verbrachte er in Italien und ging im März 1746 nach Paris. Im Juli kam er über Amsterdam, Aachen und Hannover in Dornburg bei der Mutter der russischen Thronfolgerin an. Seitdem unterhielt seine mitgereiste Frau Anna Karlowna einen freundschaftlichen Briefwechsel mit der Zerbster Fürstin.5Johanna Elisabeth nutzte diese unverfängliche Adresse, um Informationen über die Tochter im fernen Russland zu erhalten. Den direkten Briefkontakt mit dem Kind hatte die Zarin verboten, um die Einmischung fremder Mächte in die russischen Angelegenheiten zu verhindern. Allerdings liefert Graf Rochus Friedrich zu Lynar (1708-1781) als Diplomat in dänischen Diensten seinem König eine andere Begründung für diese drastische Maßnahme.6 Er schildert, dass Woronzow einen Brief für die Großfürstin mit nach Russland nehmen sollte. In diesem Schreiben ließ sich die Zerbster Fürstin über den russischen Hof aus, beleidigte die Zarin und warnte die Tochter, keinem Menschen zu trauen, außer Woronzow. Gleichzeitig sollte ein zweiter Brief mit unverfänglichem Inhalt per Post abgehen. Angeblich wurden die Schriftstücke aber verwechselt, so dass das Geheimschreiben nun bei der Kaiserin ankam, die es vor Wut zerrissen haben soll. Solch unvorsichtige Vorgehensweise ist kaum zu glauben, aber nicht einmalig. So schickte der polnische König August III. (1696-1763) seiner Frau ein Päckchen. Sein allmächtiger Premierminister Graf Heinrich von Brühl (1700-1763) gab dem Kurier 4000 Ducaten für die Opernsängerin Albuzzi mit. Leider wurden die Sendungen vertauscht. Die Freude der Königin über die großzügige Gabe ihres Gatten verwandelte sich in größte Verwunderung, als der Bote das Paket wieder abholte und ihr gleichzeitig eines ohne Geld überreichte.7 The Queen was not amused!

Woronzow kam am 22. Juli wieder nach Berlin und traf hier auf die beiden Fürsten Alexius und Wolodimir Dolgoruki, die gerade aus England angekommen waren.
8 Erst sechs Tage später setzten die Russen ihre Heimreise fort und der Preußenkönig war "ohnendlich erfreuet" über die neuesten Informationen von den europäischen Herrscherhäusern. Nachdem er mit dem russischen Außenminister "eine ziemliche Zeit alleine und ganz vertraut gesprochen", konnte der König mit dem "Grafen Woronzow sehr zufrieden seind", vor allem, weil er ihn "gegen den Kanzler Bestushew sehr" verärgert gefunden. Er halte ihn "jetzo vor den Mann, dem es an Qualitäten nicht fehlete, den so übel und verrätherisch gesinnten Kanzler" zu stürzen. Geradezu beglückt dürfte Friedrich II. über die Versicherung des Russen gewesen sein, "dass die erneuerte Alliance zwischen Russland und den Oesterreichern pure defensiv wäre und mehr in Verbiages als in Realitäten bestehe, kurz, nicht viel besser als nichts wäre." Zum Dank bekam Woronzow einen Degen. Wobei der König vorher sondieren ließ, "ob derselbe solches Präsent lieber öffentlich oder en Cachette annehmen wolle, um zu verhüten, dass darunter nicht etwas geschähe, so dem Grafen repugniren möchte."9

Woronzow konnte 1758 tatsächlich Bestuschew-Rjumin stürzen (siehe Beitrag zum Marquis de Fraigne auf diesen Seiten, Link oben) und ihn in seinem Amt beerben. Allerdings scheint Bestuschew der geeignetere Kandidat gewesen zu sein, da die ehemalige Dornburger Prinzessin (inzwischen zur Zarin Katharina II. geworden) nach ihrer Machtübernahme ihn wieder einsetzte. Auch sonst fällt das Urteil über Woronzow nicht so positiv aus, wie es der Preußenkönig gefällt hatte. "Seine Faulheit hielt ihn von eigentlicher Arbeit ab, Andere arbeiteten für ihn. Als (die Zarin, S. Schüler) Elisabeth starb, legte sich Woronzow zu Bett und erheuchelte Krankheit, um die Situation besser aus der Ferne beobachten zu können. ... Auch unter Peter III. griff er keineswegs kräftig in die Politik ein."
10 Beim Sturz des Zaren durch seine Ehefrau im "Juli 1762 weilte er bei Peter in Oranienbaum, fiel aber sofort von ihm zu Katharina II. ab und liess sich im eigenen Hause von ihr Arrest geben, um gegen die Verschworenen einerseits und gegen Peter andererseits abgesichert zu sein. ... Katharina schickte Woronzow, um seiner enthoben zu sein, 1762 auf Reisen, von diesen kehrte er 1765 zurück, wurde aber kalt von der Kaiserin empfangen und es wurde ihm bedeutet, den Abschied zu nehmen."10 Zwei Jahre später starb er in St. Petersburg.

weiter mit Ludwig Albert

Anmerkungen und Quellen
  1. Михаи́л Илларио́нович Воронцо́в, andere Schreibweisen: Voronzow, Vorontsov, Voroncov, Woronzoff.
  2. Arthur Kleinschmidt: Rußland‘s Geschichte und Politik dargestellt in der Geschichte des russischen hohen Adels, Verlag von Theodor Kay, Cassel, 1877, S. 310ff.
  3. Алексе́й Петро́вич Бесту́жев-Рю́мин, andere Schreibweisen: Bestushew, Bestuchef(f), Bestouchef, Bestužev.
  4. Johann Heinrich Zedler: Grosses Universallexicon aller Wissenschaften und Künste, Leipzig und Halle, 1749, Bd. 59, S. 143: „Im Jahre 1745 thate er eine abermahlige Reise in fremde Länder ... Er langte den 23 October zu Berlin, den 6 November zu Dresden und den 19 dieses zu Wien an, von dar er den 26 seine Reise nach Italien fortsetzte. Nachdem er sich an verschiedenen Orten dieses angenehmen Landes sattsam umgesehen, langte er den 25 December zu Florentz an ... Er brachte den Schluß des Jahres daselbst zu. Im Jahr 1746 langte er den 2 Jenner mit seiner Gemahlin zu Rom an ... Den 17 langte er zu Neapolis an. Nachdem er sich etliche Wochen allhier vergnüget, fuhr er im Merz auf 2 Galliaren über Livorno und Genua nach Marseille, von dar er zu Paris anlangte... Er gieng sodann über Amsterdam, Utrecht und Aachen nach Hannover, wo er den 10 Jul. ankam. Nachdem er alles daselbst, wie auch zu Herrenhausen besehen, erhub er sich den 13 über Wolfenbüttel und Salzdahl nach Berlin, wo er den 22 ... anlangte. Den 28 reisete er ... wieder ab, und langte den 31. Aug. zu Gostlitz zwischen Narva und St. Petersburg an...
  5. Peter Bartenew (Hrsg.): Das achtzehnte Jahrhundert (Оcмнадцaтый вeкь), Moskau, 1869, Bd. 1, Seite 32. Die Woronzows kamen nach Zerbst und Dornburg. 
  6. Ministerialbericht an den Dänischen König vom 13./24. April 1751 aus Petersburg, in: Des weiland Grafen Rochus Friedrich zu Lynar ... hinterlassene Staatsschriften und andere Aufsätze, Bd. 1, Benjamin Gottlob Hoffmann, Hamburg, 1793, S. 512 ff.
  7. Karl Friedrich Vitzthum von Eckstädt: Die Geheimnisse des sächsischen Cabinets, Ende 1745 bis Ende 1756, Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, Stuttgart, 1866, Bd. 1., S. 452f.
  8. siehe Anmerkung 4
  9. Johan Gustav Droysen u. a. (Hrsg.): Politische Correspondenz Friedrich's des Großen, Verlag Alexander Duncker, Berlin, Bd. 5, 1880, S. 142f.
  10. siehe Anmerkung 2.