Schloss Dornburg an der Elbe
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Persönlichkeiten Marquis de Fraigne Dannigkow 5. April 1813 I. Weltkrieg

Der Ausbruch des I. Weltkriegs 1914
von Stefan Schüler
Johannes Maresch (1892-1949), Pfarrer in Dornburg 1911-1923, beschreibt in seinem Bericht die Tage beim Ausbruch des I. Weltkriegs. Seine Zeilen widersprechen dem bekannten Propagandamaterial dieser Zeit. In dem kleinen anhaltischen Dorf war keine Kriegsbegeisterung spürbar.

Externer Link zur ausführlichen Biografie von Johannes Maresch

Pastor Maresch strich in der "Chronik des Pfarramtes Dornburg" die Seitenüberschrift "Besuche vornehmer Personen" und ersetzte sie durch "Der Krieg 1914". Dann beginnt seine Schilderung der Ereignisse aus der Sicht eines Theologen:

"Am 28. Juni wurde Erzherzog Franz Ferdinand in österreichisch-ungarischer Thronfolger, mit seiner Gemahlin, der Herzogin Hohenberg, in Sarajewo durch einen serbischen Meuchelmörder getötet. Schon am folgenden Tage brachte ein Telegramm der Magdeburger Zeitung die Kunde von diesem scheußlichen Verbrechen in unser stilles Dorf. Die Gemüter wurden zwar darüber sehr erregt, doch ahnte man noch nicht, daß diese Tat das Wetterleuchten eines baldigen Weltkrieges bedeutete. Man plante noch Feste, die Feuerwehr feierte noch festlich ihr Jahresfest, auch das Kinderfest sollte Ende August gefeiert werden. Man ging friedlich der gewohnten Arbeit nach. Unterdessen ballten sich dunkle Wolken am politischen Himmel zusammen, bis 4 Wochen später der erste Blitz jäh hernieder fiel, indem Österreich-Ungarn an Serbien den Krieg erklärte. Es ist nicht Sache des Christen die Entstehung des Krieges zu schildern. Am 1. August befahl der Deutsche Kaiser die Mobilmachung der deutschen Armee und Marine. Der Krieg war da.

Ich war gerade in Erwartung der kommenden Ereignisse nach Gommern mit dem Rade gefahren, da bemerkte ich daselbst aufgeregte Gruppen von Bürgern, verweinte Gesichter der Frauen schauten zum Fenster heraus und kleine Abteilungen von jungen Männern gingen zur Bahn. Sie hatten telegraphisch Befehl erhalten, sich bei ihren Truppen ein zustellen. Ein Schuljunge verteilte Extrablätter auf denen stand: 'Die Mobilmachung der deutschen Armee ist mit dem 2. August befohlen worden.' Schnell eilte ich auf dem Rade zurück nach Dornburg. Es war abends 1/2 7 Uhr als ich dorthin kam, aber auch hier verweinte Gesichter und erhitzte Gemüter. Der Chausseewärter Voigt trug den Mobilmachungsbefehl von Haus zu Haus. Am anderen Tage war Sonntag, ein heller sonniger Sommertag. Der Gottesdienst war schwach besucht. Die Predigt handelte über Jer. 23 16-29: 'Ein Wort für die Sorgen unserer Tage. Es mahnt zur Selbstbestimmung, zur Gottesgebung und zur Hoffnung.' Während wir im Gotteshause beteten für den Frieden unseres Vaterlandes fuhren draußen hochbeladene Erntewagen vorüber. In den nächsten Tagen sollten ja die meisten jungen Leute zu den Fahnen, auch die Pferde sollten fort da galt es schleunigst noch die Ernte unter Dach und Fach bringen. Ich war sehr entmutigt wegen des geringen Kirchenbesuches, konnte aber doch auch die sorgenden Herzen des Landmannes verstehen, auch drängte es mich einige Worte zu der Gemeinde und zumal zu den einberufenen jungen Leuten zu sprechen. Ich schickte deshalb einen Laufzettel herum und lud die Gemeinde in den Neugarten abends Abends 9 Uhr ein. Im Laufe des Tages kamen noch die Nachrichten, daß die Russen die deutsche Grenze überschritten hatten, sodaß nunmehr kein Zweifel mehr herrschte an dem Beginn des Krieges. Am Abend war ein wunderbares laues Wetter und im Halbdunkel hatte sich die ganze Gemeinde, so zahlreich wie noch nie, versammelt. Wir sangen zuerst: 'Ich bete an die Macht der Liebe'. Dann hielt ich eine kurze Ansprache über Ts. 46: 'Gott  mit uns!' und sodann vereinigten wir uns zum Gebet. Die einberufenen waren geschlossen angetreten und erhielten besonders fürbittenden Segen. Zum Schluß sangen wir: 'So nimm denn meine Hände.' 3 Verse. Diese schlichte Feier unter freiem Himmel in der vorderen rechten Rasenausbuchtung des Parks wird allen unvergessen bleiben. Am anderen Abend, Montag Abend vereinigte sich wiederum die Gemeinde zur Feier des Hlg. Abendmahls. ... Unterdessen war der Krieg schon erklärt. Einer nach dem anderen rückte aus. Wehmütige Stunden des Scheidens gab es viele. Über der ganzen Gemeinde lag tiefer, fast heiliger Ernst. ...

In den nächsten Tagen wurde dieselbe unterbrochen durch die Meldungen, daß Spione in unserer Gegend seien. Der Kriegsverein organisierte einen Nachtdienst und so erhielt unser trautes Dörfchen ein kriegerisches Gesicht. Einmal hieß es, in der für die polnischen Arbeiter bestimmten Kaserne des Rittergutes befände sich ein Zimmer verschlossen, das Schlüsselloch war mit Papier verstopft. Nachdem die Tür mittels Dietrich geöffnet war, fand sich im Bett ein Russe. Er wurde in das Amtsbureau gebracht, aber man konnte sich nicht mit ihm verständigen, sodaß er mit Automobil von Herrn Oberamtmann Hühne nach Zerbst zur Kreisdirektion gebracht wurde. Dort stellte sich heraus, daß es ein harmloser Mensch war, der aus Furcht vor Belästigungen aus Hamburg zu seiner Frau nach hierher geflüchtet war, da diese Frau auf Feldarbeit war, hatte er sich in deren Zimmer versteckt. Bald legte sich die Spionfurcht und die Nachrichten von den Kriegsschauplätzen hielten die Einwohnerschaft in beständiger Spannung. Wenn die Kriegsnachrichten einliefen, wurde geläutet und geflaggt. ... An jedem Mittwoch Abend fand Kriegsandacht statt ..."