Schloss Dornburg an der Elbe
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Persönlichkeiten Marquis de Fraigne Dannigkow 5. April 1813
I. Weltkrieg

Das Gefecht bei Dannigkow am 5. April 1813
von Stefan Schüler

Das nahe gelegene Dornburg blieb vom Geschehen nicht unberührt. Hier ein Auszug aus dem "Militair-Wochenblatt", das die Ereignisse im Befreiungskrieg beschreibt.

"Beim ersten Vorrücken der russisch-preußischen Armee an die Elbe wurde der General v. Borstell mit 4 Bataillons, 4 Escadrons, 1 Fuß- und ½ reitenden Batterie nach Wahlitz zur Beobachtung von Magdeburg vorgeschoben. Jenseits der Elbe stand der Vicekönig mit dem 5. und 11. französischen Armeecorps. Das Erscheinen des Generals v. Borstell bewog denselben mit jenen beiden Corps den 2. April über die Elbe zu gehen und die preußischen Truppen anzugreifen. Der General v. Borstell hatte Befehl sich in kein ernstes Gefecht einzulassen, sondern seitwärts des Grafen Wittgenstein, der bei Zerbst stand, zurückzugehen, um die Franzosen durch ein Flankenmanöver angreifen und sie ganz nach Magdeburg zurückdrängen zu können. Der General v. Borstell wich daher am ersten Tage bis Nedlitz und am nächsten bis Gloina zurück.

Der Vicekönig ging indes nicht in die ihm gelegte Falle. Er besetzte mit dem 11. Corps die Position bei Nedlitz, der linke Flügel an dieses Dorf gelehnt, der rechte in der Richtung von Gommern, um die beiden Straßen zu decken, die von Ziesar und Zerbst nach Magdeburg führen. Die 3 Divisionen des 5. Corps wurden zuerst bei Gerwisch, bei Wahlitz und bei Woltersdorf , zu Deckung der Straße von Burg aufgestellt. Später aber besetzte die Division Pathod Gommern, die Division Rocham Körbelitz. Die Garde stand als Reserve an dem Damme von Clus um dieses wichtige Defilee zu sichern. Das Hauptquartier kam nach Königsborn.

Die Aufstellung war in der Front durch die Ehle gedeckt, ein Flüßchen, das weder breit noch tief ist, aber sehr morastige Ufer hat und deshalb nicht leicht überschritten werden kann, wie überhaupt die ganze Gegend mit vielen breiten und tiefen Gräben durchschnitten ist; die Posten in Danigkow, Vehlitz, Zehdenik und Ziepel waren jeder mit 3 Compagnien besetzt.

Der General v. Wittgenstein beschloss nun den Feind ungesäumt anzugreifen und bestimmte dazu den 6. April. Der General von Bühlow stand mit 5 Bataillons, 8 Ecadrons, 1 reitenden und 1Fußcompagnie in Ziesar, der russische General v. Berg in Lietzo, und der General v. York in Zerbst. Der Plan war: der General v. Bülow, mit dem General v. Borstell vereinigt, sollte den Feind beschäftigen und festhalten, während der General v. Berg und der General v. York über Gommern in des Feindes rechte Flanke vorzugehen bestimmt waren.

Da am 4. Nachmittags die Nachricht nach Zerbst kam, daß der Feind in Leitzkau eingerückt sey, so setzte der General v. York eine Avantgarde unter dem General v. Hühnerbein gegen diesen Ort in Marsch, um Meister von der großen Straße zu bleiben und den Feind im Auge zu behalten. Diese bestand aus den beiden Musketier-Bataillons des 1. ostpr. Infanterieregiments, 2 Escadrons des 1. (Leib-)Hus. Rgts., dem 2. Dragonerregiment und der reitenden Batterie No. 2, und einem Pulk Cosacken unter Oberst Jlowaisky. Der General v. Hühnerbein hatte den Auftrag, sich verdeckt zu halten und nicht ganz bis Leitzkau vorzugehen. Da indeß der Feind diesen Ort um 8 Uhr Abends verließ, so rückte der General v. Hühnerbein dicht an denselben heran und bezog ein Bivouak hinter der dortigen Höhe.

Um 5 Uhr Morgens kam die Nachricht an, der Feind ziehe sich nach Magdeburg zurück. Darauf beschloß der Graf Wittgenstein ihn ungesäumt anzugreifen, und ertheilte den Generalen v. Bülow und v. Borstell Befehl, gegen Zehdenik, dem General v. York gegen Gommern, und dem General v. Berg zu Unterstützung der preußischen Truppen gegen Ladeburg vorzurücken.

Diesem Befehl zufolge brach der General v. York um 11 Uhr Mittags von der Gegend von Zerbst nach Leitzkau auf. Das Füsilier-Bataillon 1. ostpr. Infanterieregiment wurde nebst 20 Husaren links über Dornburg nach der Sandmühle detachirt, um die linke Flanke zu decken und die rechte des Feindes zu bedrohen. Es erhielt den Auftrag, mit der Avantgarde immer in gleicher Höhe zu bleiben und wenn diese auf der Straße nach Magdeburg weiter vordringen sollte, ebenso über die Berg- und neue Mühle nach dem Clusdamme vorzugehn.

Nach dieser Disposition war es vorauszusehn, daß der Angriff sich in ein Postengefecht auflösen würde. (HIER KLICKEN FÜR KARTE)

Das Gefecht begann in Danigkow. Vor diesem Dorfe standen einige Escadrons französischer Cavallerie, welche von den Leibhusaren angegriffen und zurückgeworfen wurden. Eben so wurden die hinter den Bäumen stehenden feindlichen Tirailleurs, obgleich mit einigem Verluste, in das Dorf getrieben. Hierauf gingen die Tirailleurs des 1. Bataillons vor, um das Dorf zu reinigen, welches man von Feinde nur schwach besetzt glaubte. Anfangs wurden die feindlichen Schützen aus mehreren Häusern delogirt und bis an die steinerne Brücke dicht hinter dem Dorfe zurückgedrängt. Hier aber stieß der Feind auf seine Reserven und leistete hartnäckigen Widerstand.

Dieß veranlasste den General v. Hühnerbein, die Angreifenden durch die Tirailleurs vom 2. Bataillon zu verstärken, und die halbe reitende Batterie links weg zu senden, um ihr Feuer auf die hinter dem Dorfe stehenden feindlichen Bataillons zu richten. Zugleich postirte der Major v. Lobenthal, Commandeur des Regiments, das 1. Bat. zum Soutien der Tirailleurs hinter die äußersten Häuser. In diesem Augenblick machte aber der Feind mit überlegenen Kräften einen Angriff, warf die preußischen Tirailleurs ganz aus dem Dorfe hinaus und nöthigte jenes Bataillon ebenfalls zum Rückzuge. Der Feind hatte sich nämlich auf die Böden der Häuser logirt, und die Tirailleurs konnten durch die hohen und festen Zäune, die alle oben mit Dorneb bebunden waren, nicht in die Gärten eindringen. Es blieb daher nichts übrig als die große Straße, welche gerade nach der Brücke führte, zu forciren. Dieß war nun zweimal mißlungen; ein dritter Angriff mußte unternommen werden.

Während der General v. Hühnerbein die ganze reitende Batterie No 2 nebst dem 2. Dragonerregimente links seitwärts des Dorfes, aber diesseit der Ehle, aufstellte, ordnete der Major von Lobenthal mit großer Schelligkeit seine Truppen zum neuen Gefecht. Das 1. Bat. nebst 2 Tirailluerszügen wurde ganz rechts an den anderen Eingang des Dorfes detachirt. Dort sollte die 3. und 4. Comp. unter dem Major v. Pirch hinter den äußersten Häusern stehen bleiben, die 1. und 2. aber nebst den Tirailleurs unter Anführung des Majors v. Korff durch das Dorf durchgehen und so seitwärts gegen die Brücke vordringen. Eben so und gleichzeitig wurde der Angriff links unternommen und von dem Major v. Kurnatowsky mit dem 2. Bataillon unterstützt.

Der Major v. Korff erreichte die Brücke zuerst, und griff den Feind mit dem Bajonette an, der sich verzweifelt wehrte. Rechts und links wadeten die Tirailleurs durch das Wasser und so wurde zuerst die Brücke genommen, und al der Feind sich rückwärts setzte, derselbe nochmals angegriffen und zurückgeworfen, ungeachtet er sich mit vieler Bravour vertheidigte. Weiter vorzudringen schien nicht rathsam, da sich in einer Entfernung von 800 Schritt eine starke Cavallerielinie mit einer Batterie von 12 Geschützen befand.

Das Gefecht dauerte 4 Stunden; dabei verlor das Regiment 3 Unteroffiziere und 12 Mann an Toten, 4 Officiere, 2 Unterofficiere, 79 Mann an Verwundeten. Bei den beiden Bajonettattaken wurden im Ganzen nur 5 Mann leicht blessirt. Die reitende Artillerie in der Flanke that gute Wirkung; die dabei befindliche Cavallerie konnte nicht wirken, da der Fluß keinen Uebergang gestattete. Die Trophäen bestanden in 4 Trommeln uind 200 Gewehren. Als der General v. York mit dem Gros (6 Bat. vom 5. und 6. Inf. R., 4 Esc. des 1. Dragoner-Rgts., Fuß-Batterien No. 1 und 2, reitende No. 1) ankam, wurde das Dorf mit zwei frischen Bataillons besetzt, und auf beiden Seiten Batterien aufgefahren, welche bis in die Nacht thätig waren.

Mit dem Füsilierbataillon 1. ostpr. Regiments dirigierte sich der Major v. Cramon, der erhaltenen Anweisung gemäß, über Dornburg auf die Sandmühle, und blieb zuerst in gleicher Höhe mit der Avantgarde des Generals von Hühnerbein. Bei der Bergmühle formierte sich derselbe hinter dem dortigen Fichtenwalde, sendete die Tirailleurs der 1. und 2. Comp.  rechts, die der 3. und 4. links, und vertrieb die feindliche Infanterie aus einem vor Gommern liegenden Fichtenwalde. Während dieß geschahe, waren die Tirailleurs rechts in den Wiesen vorgegangen und hatten sich eines Theiles der Stadt bemächtigt, konnten sich aber nicht behaupten und zogen sich auf das Bataillon in dem Augenblicke zurück, wo dasselbe auf der letzten Höhe der Stadt ankam. Jetzt rückten 2 Bataillons und eben so viele Schwadronen gegen das Füsilierbataillon vor, und suchten dasselbe in der rechten Flanke zu umgehn. Der Major von Cramon mußte bis in seine erste Stellung hinter dem Fichtenwalde. Der Verlust bestand blos in einigen Blessirten.

Hier hatte der verwundete Regimentschirurgus Kuhn beim Zurückgehen das Glück, fünf französische Husaren mit ihren Pferden gefangen zu nehmen. Er wurde in der Nähe von Dornburg in ein seitwärts der Straße gelegenes Försterhaus gebeten, wo jene Französischen Marodeurs es sich wohl sein ließen. Er und sein Bedienter bemächtigten sich zuerst der fünf an den Zaun gebundenen Pferde, stellte sich dann mit gezogenem Säbel vor die Hausthür und forderte die Franzosen auf, sich zu ergeben und die Waffen wegzulegen, welches auch geschah. Die Gefangenen wurden nach Zerbst transportirt. …"
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Das damalige Forsthaus von Dornburg, direkt an der Elbe gelegen.

Eine andere Quelle ergänzt folgenden Vorfall: "Ein Regiment hatte ohne höhern Befehl eine bedeutende Requisition an Bier und Branntwein in dem Anhalt-Köthenschen Amte Dornburg gemacht. Der Kommandeur desselben wurde von General v. York zur Erstattung des Werthes angehalten. Am 5ten waren sowohl in Dannigkow, als an anderen Orten, einige Unordnungen und Exzesse vorgekommen; um diese zu rügen und ihnen für die Folge vorzubeugen, wurden die strengsten Maßregeln ergriffen."
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Quellen

  1. Militair-Wochenblatt. No. 892. 27.07.1832 und No. 893. 03.08.1832, Redaktion: der Königl. Generalstab
  2. Beiträge zur Geschichte des Jahres 1813 von einem höhern Offizier der Preußischen Armee, Verlag von Ferdinand Riegel - Potsdam, 1843, Bd. 1, S. 357