Schloss Dornburg an der Elbe
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Persönlichkeiten
Marquis de Fraigne Dannigkow 5. April 1813 I. Weltkrieg
J. F. Fasch M. L. Woronzow L. von Albert
General Willisen K. Michaelis
 
Ludwig von Albert (1783-1836) in Dornburg
von Stefan Schüler

Während die Zerbster Fürsten für die Dornburger Güter Verwalter einsetzten, wurden Landwirtschaft und Ziegelei später verpachtet und 1871 schließlich verkauft. Wobei man zu solchen Mitteln in Anhalt-Köthen griff, "behufs Regulirung des Schuldenwesens. ... 
"1 Während die erste Variante den Herzögen über Jahre feste Einkünfte garantierte, trug der Pächter das unternehmerische Risiko und gleichzeitig die Verantwortung für seine Beschäftigten, sowie deren Familien. Bevor Ludwig Albert 1813-1825 die Domäne Dornburg übernahm, hatte er seit 1801 mehrere Güter in Thüringen, Preußen und Anhalt gepachtet.2 Ein Ungleichgewicht zwischen Produktionskosten und Marktpreisen führte in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts zu einer Agrarkrise. Hinzu kam, dass vom schlechten Boden im Urstromtal keine großen Erträge zu erwarten waren.

Am Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Haupteinkünfte der Dornburger Wirtschaft durch Brauerei und Brennerei erzielt, indem man jährlich etwa 2000 hl verarbeitete und 200 Taler Tranksteuer zahlte. Nach dem Aussterben der Linie Anhalt-Zerbst kam das Elbdorf 1797 zum Köthener Land und Zerbst erhob nun Einfuhrabgaben von 10 Groschen pro Tonne. Infolge weiterer Steuermaßnahmen beschränkte sich nach den napoleonischen Befreiungskriegen der Getränkeabsatz bald auf Dornburg selbst.2

Das 1779 erbaute Winzerhaus3 auf dem Weinberg im Jahre 19244

Während Wilhelm Albert (1777-1850) die Landwirtschaft nach mecklemburgischem Vorbild rationalisierte, versuchte sein Bruder in Dornburg andere Wege. Ludwig Alberts System beruhte vorrangig auf einer Ertragsbeteiligung der Beschäftigten in Form von Naturalien, was mehrere Vorteile bot. Alle Beteiligten erhielten mehr Verantwortung für das Ganze, ohne dass man ihnen dafür etwas hätte zahlen müssen. Selbst Tagelöhner waren nun bestrebt, ihre Arbeit schneller und besser zu verrichten. Kleinere Reparaturen wurden selbst ausgeführt, was die Ausgaben minimierte. Zu niedrige Marktpreise für die Erzeugnisse wirkten weniger negativ, da nicht in Geldform entlohnt wurde. Trotz der Gewinnoptimierung zu Gunsten des Pächters fühlten sich die Angestellten nicht benachteiligt, da ihr Lohn höher ausfiel als vorher. Außerdem garantierte Ludwig Albert ihnen die Grundversorgung mit Lebensmitteln im Falle von Missernten, eine nicht unerhebliche Sozialleistung, die den Zusammenhalt im Unternehmen förderte.

Obwohl die beschriebene Wirtschaftsführung viel Kritik auslöste, bescheinigten Kommissionen der Landwirtschaftlichen Gesellschaft zu Mühlstedt und der Preußischen Regierung ihr großen Erfolg. Allerdings wurde das System in Dornburg nicht lange angewandt. Ab 1826 verhandelte Ludwig Albert im Auftrag Anhalts mit Russland wegen der Errichtung der Kolonie "Ascania Nova", wurde aufgrund seiner Erfolge geadelt und 1828 zum Mitglied der Oberadministration der neuen Besitzungen ernannt.
2 In diesem und den folgenden zwei Jahren verließen knapp 100 Personen und etwa 10 000 Schafe die Heimat.5 Eine ihrer neuen Ansiedlungen nannten sie Dornburg (Доренбург seit 1936 Чкалове = Chkalove/Ukraine, Oblast Cherson). Das Unternehmen entwickelte sich zu einem wirtschaftlichen Desaster, weshalb es 1856 verkauft wurde.5

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Quellen und Anmerkungen
  1. Ferdinand Siebigk: Das Herzogthum Anhalt, Verlag von Desbarats – Dessau, 1867, S. 319 
  2. Otto Siegel: Die Wirksamkeit der beiden Brüder Wilhelm und Ludwig Albert in der Anhaltischen Landwirtschaft – Ein Beitrag zu dem Wechselspiel physiokratischer und romantischer Tendenzen in der Landwirtschaft. Bearbeitet nach archivalischen Quellen des Anhaltischen Haus- und Staatsarchivs zu Zerbst, der Herzoglichen Hofkammer zu Dessau, der Anhaltischen Finanzdirektion zu Dessau sowie der Anhaltischen Landwirtschaftskammer zu Dessau. In: Anhaltische Geschichtsblätter – Cöthen, Dessau, 3. Jahrgang, 1927, S. 42-82
  3. LHASA, DE, Kammerrechnungen Zerbst 1779
  4. Das Foto stammt wahrscheinlich vom ehemaligen Dorfschmied Otto Schellin. Ich danke Frau Ingrid Glang für die Bereitstellung.
  5. Georg Opitz: Askanija Nova, In: Zerbster Heimatkalender 1970, Druckerei Rotation  Dessau, 1969